03 – Hangwind & Thermik

Von Poppenhausen auf den Berg der Flieger

Mein Lieblingsaufstieg auf den höchsten Berg Hessens. Aus den Tallagen durch eine parkartige Wacholdertrift unterhalb bizarrer Felsklüfte. Oben flattert buntes Tuch auf, ein Gleitschirmflieger löst sich vom Berg, und hoch im Blau des Himmels zieht ein Segelflugzeug seine Kreise. Weiter durch Wald, dann liegen die Hänge vor uns, an denen Fluggeschichte geschrieben wurde.

5 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Gemälde: Pedro Schmiegelow (1863-1943).

Das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe

Die Einweihung des Denkmals am 30. August 1923 in Anwesenheit von je nach Schätzung 30.000-100.000 Besuchern markierte den Höhepunkt der Segelflugbegeisterung in Deutschland und war zugleich ein schwarzer Tag des Segelflugs: Es gab vier Abstürze mit einem Todesopfer. Für das Denkmal war der „Loessel-Stein“ ausgebaut worden, benannt nach dem ersten an der Wasserkuppe tödlich verunglückten Segelflieger, der am 9.8.1920 abgestürzt war – auf den Tag genau 24 Jahre nach Lilienthals letztem, fatalen Flug.

Der Bronzeadler wurde übrigens nicht eigens für das Fliegerdenkmal geschaffen, vielmehr hatte der deutsche Wappenvogel zusammen mit einem Zwillingsstück die Toreinfahrt zum Besitz Albert Ballins bei Hamburg geziert, eines jüdischen, vaterländisch denkenden Reeders und Duz-Freundes Kaiser Wilhelm II. Seine Witwe hatte den Adler und die Mittel zum Bau des Denkmals gestiftet. Die Inschrift auf der in Form des Frontfliegerabzeichens gegossenen Bronzetafel wirft ein Licht auf die Stimmungslage der Zeit:

Wir
toten Flieger blieben
Sieger
durch uns allein
Volk
flieg Du wieder
und Du wirst
Sieger
durch Dich
Allein

Der Segelflug als Symbol nationalen Wiederaufstiegs. Natürlich blickt der Adler gen Westen, wo der französische Erbfeind saß. Die aktiven Flieger waren freilich eher unpolitisch, eine verschworene Gemeinschaft, in der die Leistung vor Herkunft und Gesinnung zählte. Das änderte sich erst nach 1933, als zunehmend Uniformen das „Räuberzivil“ der Pioniere ablöste und die fast jugendbewegte Romantik der Frühzeit des Segelflugs zerstörte.

Foto: Stefan Etzel

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