08 – Himmel & Hölle

Von Gersfeld zum Roten Moor

Wer an heißen Tagen auf die Hochrhön wandern will, findet hier eine schattige Aufstiegsroute. Der Weg führt dann über einen der weniger bekannten Gipfel zurück, von dessen Graspolster man eine prächtige Aussicht fern allen Rummels hat.

1 Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Stefan Etzel | Album der Tour

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Gersfeld

„Pforte zur Hohen Rhön“ wurde »Gersfeld durch die im Jahre 1889 eröffnete Rhönbahn, deren Bau maßgeblich auf die Initiative des 1876 hier gegründeten Rhönklubs zurückging. Die Stichbahn verband (und verbindet) Fulda mit dem rund 30 km entfernten Städtchen an der Sonnenseite der Wasserkuppe und ermöglichte es so den immer zahlreicher werdenden Wandervögeln der Kaiserzeit, die Rhön zu entdecken.

Die Geschichte Gersfelds wurde entscheidend von den streitbaren Rittern von Ebersberg geprägt. Nachhaltigste Folge sollte sein, daß Gersfeld evangelisch wurde und bis heute blieb. Die Ritterschaft stand ja in einem zwiespältigen Verhältnis zu den mächtigen kirchlichen Herren der umliegenden Gebiete. Da erschien Luther wie ein Geschenk des Himmels, um im Strom der Reformationsbewegung ein Stück Eigenständigkeit zurückzugewinnen. Die Entwicklung war also ähnlich der in Tann (Tour 15).

Gersfeld_kirche_innenBewußtes, architektonisch gestaltetes Bekenntnis zum protestantischen Glauben ist denn auch die Evangelische Pfarrkirche von 1788, eine der schönsten Rokokokirchen in Hessen. „Rokoko“ verbindet man ja eher mit katholischen Kirchen, ihren verspielten Altären, dem Rausch von Schnörkeln und Zierwerk, der wie Weihrauch den ganzen Raum erfüllt. In evangelischen Kirchen tritt die Ausschmückung dagegen hinter die Verkündigung des Evangeliums als zentrales Anliegen zurück. Hier in Gersfeld wurde der spätbarocke Zierstil eingesetzt, um den in den fuldischen Landen ringsum entstandenen Barockkirchen etwas gleichwertiges und dabei betont Protestantisches entgegen zu setzen. Der Raum der Gläubigen ist schlicht und fast schmucklos, die Formensprache des Rokoko konzentriert sich ganz auf die Kanzelwand, den Ort der Verkündigung. Damit wird der Typus der „Predigerkirche“ in den Zeitstil eingebunden, bei der die vier Zentren der evangelischen Liturgie hintereinander gestaffelt zu Gott führen: Taufstein, Altar, Kanzel und Orgel. Der krönende Orgelprospekt drückt Luthers Wertschätzung der Kirchenmusik als ein die Seele öffnendes Medium aus, das den Menschen innerlich bereiter für das Wort Gottes macht. An Stelle eines pompösen Hochaltars, wie in katholischen Kirchen, schwebt hier die Kanzel auf halber Höhe zwischen Taufstein, Altar und Orgel. Ein weiteres Beispiel für eine solche Predigerkirche begegnet uns in Dermbach (Tour 21).

Die Kirche – über dem Portal prangt die Ebersberger Lilie – war Schlußpunkt der um 1740 beginnenden Baumaßnahmen, mit denen die Ebersberger ihr Domizil aus mittelalterlich-bäurischen Verhältnissen ins Zeitalter der Sonnenkönige überführten. Das Neue Schloß entstand, der Schloßpark und eben die Kirche.


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