09 – Zum Teufel mit dem Wald

Das Montanrevier unterhalb des Heidelsteins

Als ausgangs des Mittelalters Eisen- und Glasschmelzen in die Hochlagen der Rhön vordrangen, ging der Wald auch dort buchstäblich „zum Teufel“ – und das „Land der offenen Fernen“ entstand. Auch am Heidelstein rauchten die Meiler, ja, vom Holzberg ging die Entwaldung der Langen Rhön aus, weil er einer der Energielieferanten für die Bischofsheimer Eisen-„Industrie“ war.

1 Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Fotos: Stefan Etzel

Holzberg & Holzberghof

Schon sein Name weist den Berg als Energielieferanten aus. Als die Bischofsheimer Eisenindustrie im 16. Jahrhundert blühte, wurde er und die ganze Gegend kahl geschlagen. 1614 erwarb der Würzburger Fürstbischof Julius Echter den „Hof der Holzberger“ (Echterwappen über dem Jägerhaus) und ließ Maultiere auf den entwaldeten Höhen züchten, die „Kleinlastwagen“ des damaligen Warentransports. Das bewährte sich bis zur Auflösung des Kirchenbesitzes in napoleonischer Zeit. 1850 suchte der Unterfränkische Pferdezuchtverein die Tradition fortzusetzen, doch just da ging der Pferdebedarf durch den raschen Ausbau des Schienennetzes drastisch zurück.

1902 erwarb der 29-jährige Graf Paul Frederik Schimmelmann, „lediger Landwirt aus Hellebeck in Dänemark“ das Anwesen. Der ziemlich dubiose Adelige züchtete nicht etwa Schimmel, womit er noch klug beraten gewesen wäre, sondern weißes Federvieh, Gänse, denen das Hochrhönklima freilich wenig bekam. Darin offenbarte sich auf feinsinnige Art, daß „Graf Paule“ von Haus aus Sohn eines Berliner Schankwirts war, den die Gräfin Schimmelmann adoptiert hatte, eine „Geliebte Kaiser Wilhelm II.“, wie die Fama zu berichten weiß. Ohne erkennbare Mittel ließ er 1909-11 den Anbau nach Vorbild des dänischen Schlosses Fredrikstein ausführen, und bis heute hält sich in Bischofsheim das Gerücht, eigentlicher Finanzier sei der Kaiser gewesen, dessen Zug manchmal abends im Bahnhof einlief, von wo kurz darauf ein großer Wagen mit verhängten Fenstern Richtung Holzberg entschwand…

»Das Montanrevier bei Bischofsheim

Wo „Eisenstein“ und Wald zusammentrafen, entstanden in alter Zeit Verhüttungsbetriebe, und auf diese Art wurde die Gegend um Bischofsheim im 16. Jahrhundert so etwas wie das „Ruhrgebiet“ der Rhön – und einer der Hauptansatzpunkte ihrer Entwaldung.

Am Holzberg stand – erstmals urkundlich 1502, wohl aber schon früher existierend – eine Eisenschmelze, zu der ein Hammerwerk kam, auch eine Glashütte ließ sich nieder. Der Name des Berges nennt den Grund für diese frühe Industrieansiedelung: Holz war der Primärenergieträger und wurde in so großen Mengen zum Schmelzen der erzhaltigen Gesteine benötigt, daß innerhalb von rund einem Jahrhundert hier am Südende der Langen Rhön schon das „Land der offenen Fernen“ entstand.

Um 1 kg Eisen zu schmelzen, brauchte man 4-5 kg Holzkohle, die wiederum aus 12-15 kg Holz gewonnen wurde. Für 30 kg Roheisen ging eine ausgewachsene Buche drauf, für eine Tonne rund dreißig Bäume. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts mußte der Bergbau aufgegeben werden, weil der Wald so gelichtet worden war, daß die Holztransportkosten aus entfernteren Gegenden nicht mehr lohnten.

Faustregel lt. Dänner jun.: ausgewachsene Buche hat mind. 3-4 kbm Brennholz; 1 kbm frisch = 600-800 kg; muß zum Verbrennen aber trocken sein, das sind dann nur noch etwa 400 kg

In Bischofsheim am Fuß des Holzberges wurde Roheisen weiter verarbeitet, mit entsprechendem Holzbedarf (der auch vom Kreuzberg gedeckt wurde). Insbesondere bestand hier eine bedeutende Gießerei für Ofenplatten. Davon zeugen noch die prächtigen „Herbstöfen“ im Fladunger Rhönmuseum und die beiden Marktbrunnen in Bischofsheim, deren Becken aus bebilderten Eisenplatten der heimischen Gießerei gestaltet wurden.

Gleichfalls im 16. Jahrhundert wurde am Bauersberg über Bischofsheim ein weiterer Montanzweig eröffnet, der Braunkohlebergbau, der aber noch kurzlebiger war. Der Stollen „Einigkeit 1844“ erinnert allerdings daran, daß Mitte des 19. Jahrhunderts noch einmal versucht wurde, hier neue Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen, als die Textilkrise die Bischofsheimer Tuchmacher ruiniert hatte. Allein, die Rhönkohle ist von zu geringer Qualität, als daß ihr Abbau dauerhaft lohnte. Sie ist zu jung (erst vor 10 Mio. Jahren entstanden) und war auch zu geringem Druck ausgesetzt, so daß die Kohle oft fast noch holzartig ist. Nur in den Notzeiten nach den beiden Weltkriegen wurde die Förderung nochmals belebt und 1954 endgültig eingestellt.

Ein dritter Montanzweig hat schließlich die wirtschaftliche Existenz vieler Bischofsheimer für fast drei Generationen gesichert, der Basaltabbau. Der rasante Ausbau des Schienennetzes hatte einen enormen Bedarf an Basaltschotter für Gleistrassen geschaffen, 1889 begann am Fuße des Holzberges der Basaltabbau in großem Stil. Die zunehmende Pflasterung, später Asphaltierung der Straßen hielt den Basaltbedarf hoch, 1955 wurde am Bauersberg ein zweiter Bruch eröffnet, in dem bis heute gearbeitet wird. Bis in die 60er Jahre hinein war dies der Hauptarbeitgeber für Bischofsheim und seine Umgebung, bis zunehmender Maschineneinsatz den Arbeitskräftebedarf drastisch reduzierte.

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Eine Antwort

  1. Das ist schön

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