ACHTUNG: Heinrich-Cotta-Weg an „Zehnbuchen“ falsch markiert!

Auf der gestrigen Erkundungstour für eine neue Version von Tour 22 (thüringer Rhön) – zwei Kollegen haben freundlicherweise mein Tour-Design geklaut, da will ich in der kommenden Auflage was entgegensetzen – bin ich auf einen katastrophalen Fehler bei der Markierung des „Heinrich-Cotta-Weges“ von Zillbach nach Wasungen gestoßen.

Diese Irrleitung, deren Nachspürung und Klärung mich einige Stunden kostete, sei hier berichtigt, damit nicht auch andere Wanderer stundenlang in der Gegend herumirren. Weiterlesen

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27 – Die Hohe Geba

Aufs Dach der thüringer Rhön

Einen heiteren Tag mit guter Fernsicht sollte man sich für diese Wanderung schon wählen, denn dann bietet sich jene herrliche Vogelperspektive auf die fränkisch-thüringische Rhön, für die die Hohe Geba berühmt ist.

Aus einem der Talorte steigen wir durch die typische Heckenlandschaft der Gegend an, gewinnen einen immer weiteren Überblick und staunen dann nicht schlecht über die großen, wohlbestellten Felder auf dem ausgedehnten Gebagipfel. Daß hier auf offener Hochfläche im gesamten Gipfelbereich trotz einer Höhenlage von 700 m noch intensiv Ackerbau betrieben wird, ist einmalig in der Rhön. Gute Böden und die günstige Südlage machen es möglich. Dieser natürliche Vorzug war auch der Grund dafür, daß schon 1189 eine Ansiedlung auf dem Berg erwähnt wird.

Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks lag auf dem höchsten Punkt des Gebaberges der westlichste militärischen Großhorchposten des Warschauer Paktes auf europäischem Boden. Von den „Russenbauten“ ist heute kaum noch etwas zu sehen. Im neuerbauten „Gebatreff“ befindet sich außer dem Bergstübchen als Einkehrmöglichkeit ein kleines Museum über die sowjetische Stationierung auf dem Berg sowie eine Informationsstelle. Hinter der kleinen Meininger Hütte läßt sich vom Aussichtshügel die Rundumsicht genießen, die durch eine Panoramaplatte erschlossen wird. Im Rhönkulturgarten wird auf einer Fläche von rund 3,5 ha den Besuchern die einzigartige Pflanzenwelt und Geologie der Rhön nahe gebracht.

Der Abstieg führt uns dann noch zu einem Landgasthof, aus dessen Biergarten man eine herrliche Aussicht genießen kann.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Stefan Etzel

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25 – Schillers Asyl im Henneberger Land

Durchs Grenzland südlich von Meiningen

Nahe der Werra lag die Stammburg der Henneberger, der einst mächtigsten weltlichen Herren in der Rhön. In diese Gegend verschlug es Schiller, als er wegen Schreibverbots aus Württemberg floh – und im Schatten der Henneburg „Kabale und Liebe“ schrieb.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs, v.a. aber am Start/Ziel im Jagdschloß Fasanerie. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Mewes

Bauerbach & Schiller

Als der 23-jährige Friedrich Schiller aus Stuttgart floh, weil ihm sein Landesherr weiteres „Komödienschreiben“ verboten hatte, bot ihm Henriette von Wolzogen, die Mutter eines Schulfreundes, auf ihrem Gut in Bauerbach Zuflucht. Als Dr. Ritter bewohnte der Flüchtling von Dezember 1782 bis Juli 1783 drei Räume im oberen Stock des Fachwerkhauses, das heute das Museum enthält. Hier vollendete er die „Luise Millerin“, sein drittes Drama, das der Schauspieler Iffland in „Kabale und Liebe“ umbenannte.

Konfliktverschärfend floß Schillers unerfüllte Liebe zu der 16-jährigen Tochter seiner Gönnerin in das bürgerliche Trauerspiel ein, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen: Er glaubte, nur deswegen einem adeligen Verehrer seiner Angebeteten nicht vorgezogen zu werden, weil er mittellos und bürgerlichen Standes war. Als letztes Mittel zeigte ihm die entnervte Mutter das Tagebuch ihrer Tochter, aus dem klar hervorging, daß diese für seinen Nebenbuhler schwärmte. Schiller verließ bald darauf Bauerbach, auch, weil er in Mannheim eine Anstellung gefunden hatte, machte noch einen schriftlichen Heiratsantrag, der unbeantwortet blieb, heiratete selbst aber erst, nachdem sich Charlotte tatsächlich vermählt hatte.

Das Museum vermittelt einen schönen Eindruck der Wohnatmosphäre jener Zeit. Die Räume des oberen Stockwerks, wo Schiller wohnte, sind im großen und ganzen noch original erhalten. Erhalten ist auch noch die Rechnung über 145 halbe Maß Bier, die Schiller dem Wirt des „Braunen Roß“ schuldig blieb.

24 – Die Waldkulisse der Theaterstadt

Die Werra-Rhön bei Meiningen

Aussichtsfelsen, Schlucht, Burgruine, alles in ein grünes Waldpolster gepackt: Die Meininger Rhön beginnt fast schon wildromantisch, so als sei sie sich der „theatralischen Sendung“ des Werrastädtchens bewußt.

Einkehrmöglichkeit: unterwegs keine, wohl aber am Ziel in Meiningen. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto (Blick von den Melkerser Felsen ins Werratal): Panoramio/e.dreßel

Herzog Georg II. und die theatralische Sendung der Meininger

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23 – Ein Hoch der Phantasie in Kaltennordheim

Kaltenlengsfeld Entdeckungen zwischen Felda und Werra

In Kaltennordheim entstand das Rhönlied, Goethe schrieb hier sein Preislied auf die Phantasie. Vielleicht liegt ja auch Ihnen ein Lied auf den Lippen, wenn Sie am Ende der Wanderung – die durch zwei Gasthäuser wohlgegliedert ist – vom Dachstein wieder ins Feldatal hinab schlendern.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

Foto (Kaltenlengsfeld gegen Ende der Wanderung): wiki-commons

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Kaltennordheim ist über 1200 Jahre alt und war schon früh befestigt. In klassisch weimarischer Zeit war der Ort Amtssitz im wilden sächsischen Westen, wo Schmalhans Küchenmeister und der Rhönpaulus (s. Tour 21 ) gerade gehenkt worden war, als der 31-jährige Minister Goethe im September 1780 seinen Dienstherren und fürstlichen Freund Carl August, den 23-jährigen Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, auf einer Inspektionsreise in die sächsische Rhön begleitete um zu sehen, wie die Lage der armen Bevölkerung gehoben werden könnte.

 Mit von der Partie war Oberstallmeister von Stein, an dessen Frau Charlotte Goethe täglich schrieb. So am Abend des Ankunftstages, dem 13.9.1780: "Der Herzog liest, Stein raucht mit Arnswalden eine Pfeife, und wenn ich nichts zu thun oder zu beobachten habe, mag ich nur mit Ihnen reden."

Mißgestimmt von der Armut der Gegend, zog sich der Dichter am übernächsten Abend auf sein Zimmer zurück und grüßte Frau von Stein mit seinem hymnischen Preislied auf die Phantasie, "Meine Göttin": 

Welcher Unsterblichen
soll der höchste Preis seyn?
Mit keinem streit ich,
Aber ich geb ihn
Der ewig beweglichen
Immer neuen
Seltsamsten Tochter Jovis
Seinem Schooskinde
Der Phantasie …

 1912 entstand noch ein Preislied in Kaltennordheim, die Rhönhymne "Zur Rhön hinauf!". In der DDR durfte das "Ich weiß basaltene Bergeshöh’n im Herzen der deutschen Gau’n" wegen der Einheitssymbolik nur instrumental gespielt werden…

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22 – Die Wiege der Forstwissenschaft

IMG_7181Von Zillbach durchs Waldland an der Werra

Wo die Ostrhön sich zur Werra neigt, wurde Ende des 18. Jahrhunderts mit der planvollen Wiederaufforstung dieses Gebirgsteils begonnen. Dabei wurden Grundlagen der Forstwissenschaft erarbeitet, die sich nachhaltig im Bild des deutschen Waldes niederschlugen. Das lag am Wirken des Rhöner Forstmannes Heinrich Cotta (1763-1844), auf dessen Spuren wir auf dieser Wanderung wandeln.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

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Geocache: Unweit des Cotta-Denkmals liegt der Heinrich Cotta Gedenk-Cache.

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GPS-Daten: Im  Buch wird hinter dem Cotta-Denkmal eine etwas abenteuerliche Abkürzung vorgeschlagen. Für GPS-Nutzer hier die Koordinaten der beiden Schlüsselstellen:

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Waldhöhe

N 50° 39.223′ E 10° 19.126′
Eiche am „Kaiserweg“ N 50° 39.128′ E 10° 19.228′

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„In der Zillbach“ – ein Bericht des „Thüringer Wandersmanns“ August Trinius aus der Zeit um 1900:

„Was für die Hohenzollern die Schorfheide bedeutet, das ist für die weidlustigen Fürsten von Sachsen-Weimar-Eisenach stets die Zillbach zwischen Werra und Vorderrhön gewesen. Hier hielten sie ihre Galajagden ab und führten ihre hohen Gäste herüber. Hier auch streift mit Vorliebe Kaiser Wilhelm II. durch den morgendlichen Wald zur nervenanspannenden Springjagd auf den balzenden Auerhahn.“ usw.

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»Der „Fürst der Wälder“

Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Gespenst der Holznot in Deutschland umging, studierte mit dem gerade zum Jägerburschen ausgebildeten Heinrich Cotta aus der thüringischen Rhön erstmals ein Forstmann Mathematik und Ökonomie an einer Universität. Zurück im heimischen Revier, entwickelte er eine Methode zur Berechnung des Waldwertes nebst einem Bewirtschaftungsplan zur Steigerung desselben und schuf so die Grundlagen der heutigen Forstwissenschaft.

Cottas wegweisendes Konzept zur Steigerung der Holzmenge war der Aufbau von Hochwald: Die damaligen Wälder – so noch vorhanden – wurden überwiegend in planlosem Nieder- und Mittelwaldbetrieb bewirtschaftet mit entsprechend geringer Produktivität. Cotta erkannte, daß durch Überführung in Hochwald der Ertrag nachhaltig gesteigert werden könnte. Für Neuforsten schlug er den verstärkten Anbau von Nadelhölzern vor, insbesondere der anspruchslosen Fichte, die standortvariabel und raschwüchsig ist, also schnell und problemlos „Masse bringt“. Daß später aus kurzsichtigem Gewinnstreben vielerorts großflächige Fichtenmonokulturen angelegt wurden, ist nicht dem Pionier anzulasten, sondern der Einseitigkeit seiner Nachfolger. Cotta hatte vielmehr stets den „Mischwaldgedanken“ betont, wobei er Kiefer und Lärche viel stärker in den heimischen Buchenwald einbaute, als dies später der Fall war.

Als Zeitgenosse der „Weimarer Klassik“ und Angestellter jenes Weimarer Herzogs, der Goethe zu seinem obersten Minister gemacht hatte, bezog Cotta selbstverständlich auch ästhetische Gesichtspunkte in seine Waldwirtschaftslehre ein. So finden sich noch heute – wie wir auf Wanderung 22 sehen – im Zillbacher Forst an Wegekreuzungen oder auf kleinen Talwiesen malerische Gruppen starker Buchen, Eichen und anderer Bäume, die auf Cottas Tätigkeit vor rund 200 Jahren zurück gehen. Das Umrändeln von Fichtenforsten durch Lärchen ist z.B. eine bis heute praktizierte Maßnahme Cottas, die das Waldbild auflockert – und zugleich eine wirtschaftlichen Sinn hat : die sturmfeste Lärche schützt nämlich die windbruchgefährdeten Fichten vor den Stürmen der Rhön.

Ein weiteres Verdienst Cottas – der auch bahnbrechende Arbeiten zur Baumphysiologie veröffentlicht hatte – lag in der Verbreitung seiner Ideen durch die Bildung einer Schule. Dadurch gingen hunderte junger Forstleute aus der Ostrhön in die deutschen Lande hinaus, um die neuen, wissenschaftlich fundierten Bewirtschaftungsmethoden anzuwenden, was letztlich bis heute im Bild der deutschen Wälder nachwirkt. Cottas 1788 aus privater Initiative entstandene Unterrichtsanstalt in Zillbach wurde 1795 von der sachsen-weimarischen Regierung staatlich anerkannt und war 1801 so angewachsen, daß ihr von Herzog Karl August das Zillbacher Jagdschlößchen als Schulgebäude zur Verfügung gestellt wurde.

Die Fortschrittlichkeit von Cottas Lehrmethode zeigte sich z.B. darin, daß er erstmals Lehrreviere einrichtete, wo seine Schüler eigenverantwortlich das theoretisch Erworbene in die Praxis umsetzen konnten. In diesem Zusammenhang entstand auch die „Cotta-Plantage“, wo die angehenden Forstleute über vierhundert exotische Gehölze beobachten konnten. Das Waldfleckchen kurz hinter dem nordwestlichen Ortsausgang ( in der Linkskurve der Landstraße geradeaus und nach 100 m links) ist Überbleibsel der einst 1,5 ha großen Anlage, deren größter Teil den Stürmen der Zeit zum Opfer fiel.

Weiterführend: Höchst informative Cotta-Seite von Schwallungen.de

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20 – Der Taurus über Vach‘

Aus dem Werratal auf den Öchsen

Rumpelten einst die Planwagen auf der Leipzig-Frankfurter Handelsstraße vom Thüringerwald ins Werratal hinab, so zeigte der „Ochsenberg“ den Fuhrleuten schon von Ferne die Lage von Vacha, der nordöstlichen Grenzstadt der Landgrafschaft Hessen und Tor zur Rhön. Für uns ist der „Taurus“, wie der Berg in mittelalterlichem Latein genannt wurde, ein prächtiger Aussichtspunkt, von dem man Wartburg wie Milseburg sieht, die nördliche Kuppenrhön von den weißen Kalibergen des Werrareviers bis zum Hessischen Kegelspiel überschaut und in weiter Ferne sogar noch Wasserkuppe und Hohe Geba erkennt. Bringen Sie also einen Tag mit guter Fernsicht mit.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Wilfried Bahnmüller (aus dem Buch)

Vacha

1646 schreibt Merian zu seinem Kupferstich von Vacha und dem dahinter aufragenden Öchsenberg: „Ein fein vornehm Stättlein, 4 Meyl von Schmalkalden, und 4 Meyl von Eschwegen gelegen. Es wird Vach ins gemein geschrieben, so aber besser Fach heissen solte, weil es vor Zeiten Fagorum Oppidum, von Buchen, genannt worden seyn solle; wie dann auch solche an der Werra gelegene Statt, vor Zeiten zum Ländlein Buchen, unnd dem Stifft Fulda, gehört; aber dem Fürstlichen Hause Hessen versetzet worden ist… Ein Meyl von Vach ligt der hohe Berg Taurus, welcher von den Innwohnern der Ochsenberg gehissen wird.“

Beide Namenserklärungen werden heute bestritten, ohne daß es eindeutige Lösungen gibt. Der Öchsen hieß beispielsweise in einer Urkunde des Jahres 786 „Uhsineberga“.

Vacha war als „die bunte Stadt“ vor der Rhön bekannt, wegen dem bunten Treiben, das in seinen Mauern herrschte. Mehrere Jahrmärkte (1816 z.B. noch sieben!) trugen zu diesem Ruf bei und überhaupt die Lage an einer Schlüsselstelle des Handelsverkehrs, der Werrabrücke.

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