Vulkanismus

» Geologie & Vulkanismus der Rhön

Wer von der Wasserkuppe aus nach Norden die vielgestaltige Landschaft der Kuppenrhön überschaut und vom vulkanischen Ursprung des Gebirges weiß, wird sich Milseburg, Maulkuppe und all die anderen Kegel wohl als Vulkane vorstellen, deren Rauchfahnen man noch förmlich glaubt aufsteigen zu sehen. Allein, die Phantasie trügt, blendet sie doch die Jahrmillionen aus, die seit dem Erlöschen der feuerspeienden Schlote vergangen sind. Was sich heute als typische Rhönkuppen präsentiert, sind vielmehr – sehr vereinfacht ausgedrückt – deren unterirdisch erstarrten „Kerne“, die erst durch die „Wühlarbeit“ der Eiszeiten freigelegt wurden. Als die Hauptphase der vulkanischen Tätigkeit vor rund 18 Millionen Jahren zur Ruhe kam, sah die Erdoberfläche des Rhöngebietes nämlich eher flachwellig aus – lag aber bis zu 200 m über dem heutigen Niveau!

Typisch für den Rhön-Vulkanismus waren gasreiche Magmen, die an Schwachstellen der Erdkruste wie aus der Spraydose als Wolken glühender Lavatröpfchen an die Luft schossen und sich beim Erkalten als Aschenteppich auf dem Grundgebirge niederschlugen.

Unterhalb der Erdkruste wandern gasreiche Schmelzen zu Hebungszonen wie der Ur-Rhön und werden beim Ausbruch unter heftigen Explosionen zerstäubt. Tröge wie der benachbarte Ur-Vogelsberg dagegen wurden durch ruhige Magmenergüsse ausgefüllt.

Eine gewaltige Deckschicht weicherer Gesteine (Schutt; Tuffe) mußte erst vom Zahn der Zeit fortgeräumt werden, bis die in den Förderschloten zu Basalt und Phonolith erstarrte Magma zum Vorschein kam. Da diese harten Gesteine der Erosion mehr Widerstand entgegen setzten als ihre Umgebung, blieben sie allmählich als Höhen erhalten. Diese freigelegten Vulkanruinen prägen heute das vielgestaltige Landschaftsbild der Rhön.

Voraussetzung für den „tertiären Vulkanismus“ als Rhönbildner war übrigens der große „Paukenschlag“, der vor rund 70 Millionen Jahren das Tertiär als drittes großes Erdzeitalter einläutete: Durch die Kollision der afrikanischen mit unserer europäisch-asiatischen Kontinentalplatte brach an der „Unfallstelle“ das Mittelmeerbecken ein und in der „Knautschzone“ falteten sich die Alpen zu einer gewaltigen Bruchscholle auf. Der sich nach Norden fortpflanzende Druck war in unserem Gebiet zwar nicht mehr stark genug, die Erdschichten zu falten, reichte aber aus, die „Rhön-Schwelle“ so anzustauchen, daß sie tiefreichende Risse bekam. Diese dienten dann als Förderkanäle und Durchbruchsstellen, als vor rund 25 Millionen Jahren der Vulkanismus einsetzte.

Auf unseren Wanderungen durch die Rhön begegnen uns sowohl Gesteine des angeknacksten Sockels (Buntsandstein; Muschelkalk), als auch die Produkte des vulkanisch-magmatischen Durchbruchsgeschehens, vor allem Phonolith und Basalt.

Der grünlich- bis weißgraue Phonolith zerfällt in dünne Platten, die beim Anschlagen hell erklingen, daher der – Goethe zugeschriebene – griechische Name, der „Klingstein“ bedeutet.

Für den Basalt dagegen ist die Aufspaltung in fünf- bis sechsseitige Säulen typisch, wie sie uns auf verschiedenen Wanderungen als eindrucksvolle Naturdenkmäler begegnen. Sie entstanden dadurch, daß das erstarrende Magma senkrecht zur Abkühlungsfront – von dieser weg also – verlaufende Risse bekam und dadurch in Säulen zerlegt wurde.

Eine andere in der Rhön immer wieder zu beobachtende Gesteinserscheinung sind die Blockmeere, deren größtes uns am Schafstein begegnet (Wanderung 4 ). Sie entstanden entweder einfach infolge eines Bergsturzes oder durch Frostverwitterung während der letzten Eiszeit. An flacher geneigten Hänge stecken sie – von Vegetation überwachsen – mehr oder weniger vollständig im Verwitterungslehm. An steileren Hängen dagegen wurde dieser vom rinnenden Wasser fortgespült und die Blöcke so freigelegt.

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Eine Antwort

  1. Danke.

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