16 – Magisches Geisa

Rechts und links des Ulstertals

Welches Rhönstädtchen liegt anmutiger über dem Tal und hat so bedeutende Geister hervorgebracht wie Geisa, die „Bergstadt“ über dem Ulstergrund? Magische Lehren, Vulkanismus-, Hieroglyphenforschung fanden durch einen Geisaer Gelehrten Eingang in die barocke Wissenschaft, später ging von hier die Erforschung der Rhönflora aus.

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Foto: Stefan Etzel

Geisa

„Magisch“ ist schon die Lage von »Geisa auf einem 40 m hohen Muschelkalkhärtling, der vom vorsintflutlichen Bett der Ur-Ulster stehen blieb. Die umgebenden weicheren Sandsteine wurden von dem eiszeitlichen Strom fortgespült, das Flußbett sank tiefer und tiefer – und der Gangolfiberg entstieg den Fluten. „Reliefumkehr“ nennt das der Fachmann.

„Wie oben, so unten“, diesen Hauptsatz des magischen Denkens wandte der Jesuitenpater Athanasius Kircher aus Geisa auf die gesamte Erscheinungswelt an, um dahinter Gott als Universalprinzip aufscheinen zu lassen. Er war als letzter großer Vertreter der Universallwissenschaft der große Sammler des Wissens seiner Zeit – und galt bis 1822 als Entzifferer der Hieroglyphen.

Bienenfleißiger Sammeltrieb war auch zwei späteren Geisaer Wissenschaftern eigen, die sich auf die Botanik spezialisiert hatten. Der Apotheker vom Marktplatz, Adalbert Geheeb, war ein unter Kollegen weltbekannter Moosforscher, Moritz Goldschmidt, Lehrer an der jüdischen Schule, erforschte als erster systematisch die Blütenpflanzen der Rhön.

Geheebs Tochter Anna war übrigens eine der ersten deutschen Frauen, die Medizin und Psychiatrie studierte (in der Schweiz, da in Deutschland noch unmöglich), sein Sohn Reinhold war Redakteur und dann auch Eigner des „Simplizissimus“, der geistreichsten Satirezeitschrift der Kaiser-Wilhelm-Zeit. Geheebs Sohn Paul schließlich war als Gründer der Odenwaldschule und der „Schule der Menschlichkeit“ einer der führenden Pädagogen seiner Zeit.

Nicht zu unrecht wurde also Geisa auch eine „Wiege bedeutender Geister“ genannt.