28 – Sommerfrische des Bayernkönigs

Von Bad Brückenau auf den Dreistelz

„Süße Düfte streut die Linde in dem schönen Brückenau“. So besang König Ludwig I. „sein“ Kurbad, das er 1833 mit einem griechischen Tempelbau geschmückt hatte (Kursaal), der auch heute noch Blickfang der Anlagen ist. 1847 verbrachte er den schönsten Sommer seines Lebens hier, denn, so fährt das Gedicht fort, „Unter Zweigen, die sich neigen, wallt die allerschönste Frau“. Gemeint war Lola Montez, die ihn um Verstand und Krone brachte. Mit ihr war der Bayernkönig in der Equipage auch zum Dreistelz hinaufgefahren, dem Hausberg Brückenaus, den wir freilich auf Schuster’s Rappen in Angriff nehmen.

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Foto: Stefan Etzel

27 – Die Hohe Geba

Aufs Dach der thüringer Rhön

Einen heiteren Tag mit guter Fernsicht sollte man sich für diese Wanderung schon wählen, denn dann bietet sich jene herrliche Vogelperspektive auf die fränkisch-thüringische Rhön, für die die Hohe Geba berühmt ist.

Aus einem der Talorte steigen wir durch die typische Heckenlandschaft der Gegend an, gewinnen einen immer weiteren Überblick und staunen dann nicht schlecht über die großen, wohlbestellten Felder auf dem ausgedehnten Gebagipfel. Daß hier auf offener Hochfläche im gesamten Gipfelbereich trotz einer Höhenlage von 700 m noch intensiv Ackerbau betrieben wird, ist einmalig in der Rhön. Gute Böden und die günstige Südlage machen es möglich. Dieser natürliche Vorzug war auch der Grund dafür, daß schon 1189 eine Ansiedlung auf dem Berg erwähnt wird.

Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks lag auf dem höchsten Punkt des Gebaberges der westlichste militärischen Großhorchposten des Warschauer Paktes auf europäischem Boden. Von den „Russenbauten“ ist heute kaum noch etwas zu sehen. Im neuerbauten „Gebatreff“ befindet sich außer dem Bergstübchen als Einkehrmöglichkeit ein kleines Museum über die sowjetische Stationierung auf dem Berg sowie eine Informationsstelle. Hinter der kleinen Meininger Hütte läßt sich vom Aussichtshügel die Rundumsicht genießen, die durch eine Panoramaplatte erschlossen wird. Im Rhönkulturgarten wird auf einer Fläche von rund 3,5 ha den Besuchern die einzigartige Pflanzenwelt und Geologie der Rhön nahe gebracht.

Der Abstieg führt uns dann noch zu einem Landgasthof, aus dessen Biergarten man eine herrliche Aussicht genießen kann.

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Foto: Stefan Etzel

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11 – Kreuzbergspaziergang

Kleine Gipfelerkundung mit dreifacher Einkehr

Für die Vielen, die den Kreuzberg per Auto besuchen und nicht zu Fuß auf den heiligen Berg Frankens pilgern wollen (Tour 10), sei hier eine Kurzwanderung in der Gipfelregion vorgeschlagen, die „Alle Sehenswürdigkeiten in zwei Stunden“ vorstellt und reichlich Zeit zur Einkehr läßt…

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Der Kreuzberg

Seinen heutigen Namen trägt der »Kreuzberg – mit 928 m höchster Berg der bayerischen und zweithöchster der gesamten Rhön – erst seit gut vierhundert Jahren, davor hieß er „Aschberg“. Ob dieser Name sich von „Asen“ oder „äsen“ herleitet – Götterhimmel oder Viehweide -, der Wanderer neigt intuitiv wohl eher zur „Asenberg“-Theorie. Er kennt ja den Ringwall, den die Kelten um das Gipfelplateau zogen, ohne daß eine Stadt dort lag, kennt das Johannisfeuer, von wo man die Sonne im Osten aufgehen sieht. Waren die Felsen dort vielleicht Druiden-Altäre? Später opferten die fränkischen Heiden auf dem Gipfel der Holla, so jedenfalls die Legende, bis der Ire Kilian 686 ihren Altar stürzte und das Kreuz aufrichtete. Daß er drei Jahre später durch die Rache einer Frau starb, wird manch wackerem Franken zu denken gegeben haben, wenn er im Herbst die erste Schneehaube auf dem Götterberg sah, dessen Gipfel seit alters der Sitz von – Frau Holle war….

Um 1400 wird die Kreuzverehrung auf dem „fränkischen Olymp“ geschichtlich greifbar, zweihundert Jahre später heißt er „Krücbärc“. Fürstbischof Echter hatte die in der Reformationszeit eingegangene Wallfahrt wieder aufleben lassen, Franziskaner aus dem Kloster in Bischofsheim wurden mit der Betreuung der Pilger betraut. Anfänglich hausten sie nur während der Sommermonate in Hütten bei der Quelle unterhalb des Gipfels, bis dort dann ab 1679 das heutige Kloster entstand. 1731 wurde das Braurecht bewilligt, was sich als nachhaltigste Maßnahme zur Beförderung der profanen Kreuzbergwallfahrt entpuppen sollte. Zur „Baßgeigenwirkung“ des Klosterbieres s. Tour 10.

Die echten Kreuzpilger sind freilich nicht ausgestorben. Noch heute zieht an fast jedem Wochenende des Sommerhalbjahres eine Wallfahrt auf den Heiligen Berg Frankens. Die größte bricht seit 1647 am 20. August unter Führung der Kreuzbruderschaft vom Kiliansgrab im Würzburger Neumünster auf, um in zwei Tagen auf den Berg zu führen (99 km), auf dessen Gipfel der Frankenapostel das Kreuz aufgerichtet haben soll. Zurück geht’s dann etwas gemütlicher in drei Tagen. Wer diesen Pilgerweg einmal mitgehen möchte, muß sich nur am 20.8. morgens um fünfe im Neumünster einfinden, für Matrazenlager unterwegs ist gesorgt.

10 – Ob zum Kreuze, ob zum Kruge

Von Bischofsheim auf den Kreuzberg

Majestätisch erhebt sich der „Heilige Berg Frankens“ über Bischofsheim und lohnt den langen Aufstieg mit einer begeisternden Aussicht – und dem sagenhaften Klosterbier, das „manche Gäste so begeistern kann, daß sie den Kreuzberg für eine große Baßgeige ansehen“, wie Domvikar Baur schon 1816 feststellte.

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Foto: Sven Teschke

Das berühmte Kreuzbergbier

Jener eingangs schon genannte Domvikar Baur schrieb 1816: „Berühmt ist das Kreuzberger Bier wegen seiner Lieblichkeit und Stärke, erquickend für Gesunde und Kranke, und wird als ein köstlicher Labetrank selbst an fürstliche Höfe versandt.“ Nach Schilderung der Ingredienzien, bei denen das hier am Übergang vom Basalt zum Muschelkalk des Grundgebirges besonders rein austretende Wasser die Paraderolle spielt, schildert er jene eingangs zitierte Baßgeigen-Wirkung, die bis heute – gebraut wird nach seit 1731 überliefertem Rezept – Kreuzbergpilger jeder Couleur bezaubert. Wenn Sie zum Abstieg nach Bischofsheim aufbrechen, mag es Ihnen ja wie jenem Wanderer im Juni 1893 gehen, der ins Gästebuch schrieb:

Vergnügt ich jetzt von dannen zieh‘,
Ich bin voll Bier und Poesie.

Weitere Infos zum Kreuzberg s. Tour 11.

04 – Zur Rhön hinauf!

Aus dem Ulstertal auf die Wasserkuppe

Im oberen Ulstertal ist die Wasserkuppe allgegenwärtig – aber durch vorgelagerte Höhen verdeckt. Diese Tour ist recht anspruchsvoll, denn es geht zunächst auf einen knapp 700 m hohen Gipfel, bevor dann im nächsten Talort der eigentliche Aufstieg auf „die Kuppe“ beginnt.

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Foto: Stefan Etzel

Wasserkuppe

Die Wasserkuppe ist mit 950 m nicht nur der höchste Berg der Rhön, sondern ganz Hessens. Der Name spielt auf die ungewöhnlich hohen Niederschläge an, die im Boden versickern und an wasserundurchlässigen Basaltschichten wieder austreten (zur Geologie des Berges s. Tour 2). Über 100 größere und kleinere Quellen sprudeln im Bereich der Wasserkuppe, am bedeutendsten ist die Fuldaquelle kurz unterhalb des Gipfels.

Schon 1879 weihte der Rhönklub auf seinem Paradeberg ein eisernes Schutzhaus ein mit „mehreren guten Betten, gutem Keller“, Restaurationsbetrieb, ab 1884 gab es auch Telegraphenverbindung. 1893 wurde ein Nebelhorn installiert, um bei der häufigen „Knofe“, wie später die Segelflieger dieses typische Wasserkuppenwetter später nannten, herumirrenden Wanderern die Richtung des Schutzhauses zu signalisieren.

Die überwiegenden Westwinde, welche einerseits die Hauptniederschläge bringen, waren anderersetis auch der Anlaß für die stürmische Entwicklung des Segelfluges am „Berg der Flieger“. Heutiges Wahrzeichen der Kuppe ist die Radarkuppel, ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, das man rein ästhetisch kaum noch missen mag…

03 – Hangwind & Thermik

Von Poppenhausen auf den Berg der Flieger

Mein Lieblingsaufstieg auf den höchsten Berg Hessens. Aus den Tallagen durch eine parkartige Wacholdertrift unterhalb bizarrer Felsklüfte. Oben flattert buntes Tuch auf, ein Gleitschirmflieger löst sich vom Berg, und hoch im Blau des Himmels zieht ein Segelflugzeug seine Kreise. Weiter durch Wald, dann liegen die Hänge vor uns, an denen Fluggeschichte geschrieben wurde.

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Gemälde: Pedro Schmiegelow (1863-1943).

Das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe

Die Einweihung des Denkmals am 30. August 1923 in Anwesenheit von je nach Schätzung 30.000-100.000 Besuchern markierte den Höhepunkt der Segelflugbegeisterung in Deutschland und war zugleich ein schwarzer Tag des Segelflugs: Es gab vier Abstürze mit einem Todesopfer. Für das Denkmal war der „Loessel-Stein“ ausgebaut worden, benannt nach dem ersten an der Wasserkuppe tödlich verunglückten Segelflieger, der am 9.8.1920 abgestürzt war – auf den Tag genau 24 Jahre nach Lilienthals letztem, fatalen Flug.

Der Bronzeadler wurde übrigens nicht eigens für das Fliegerdenkmal geschaffen, vielmehr hatte der deutsche Wappenvogel zusammen mit einem Zwillingsstück die Toreinfahrt zum Besitz Albert Ballins bei Hamburg geziert, eines jüdischen, vaterländisch denkenden Reeders und Duz-Freundes Kaiser Wilhelm II. Seine Witwe hatte den Adler und die Mittel zum Bau des Denkmals gestiftet. Die Inschrift auf der in Form des Frontfliegerabzeichens gegossenen Bronzetafel wirft ein Licht auf die Stimmungslage der Zeit:

Wir
toten Flieger blieben
Sieger
durch uns allein
Volk
flieg Du wieder
und Du wirst
Sieger
durch Dich
Allein

Der Segelflug als Symbol nationalen Wiederaufstiegs. Natürlich blickt der Adler gen Westen, wo der französische Erbfeind saß. Die aktiven Flieger waren freilich eher unpolitisch, eine verschworene Gemeinschaft, in der die Leistung vor Herkunft und Gesinnung zählte. Das änderte sich erst nach 1933, als zunehmend Uniformen das „Räuberzivil“ der Pioniere ablöste und die fast jugendbewegte Romantik der Frühzeit des Segelflugs zerstörte.

Foto: Stefan Etzel

02 – Ich weiß basaltene Bergeshöh’n

Der Geologische Wanderweg auf der Wasserkuppe

Ob Sie sich für die Entstehung der Rhönlandschaft interessieren oder wissen wollen, welches Gestein denn da unter den Wanderstiefeln knirscht: Der „Geologische Wanderweg“ auf der Wasserkuppe ist die ideale Einführung in die erdgeschichtlichen Besonderheiten der Rhön und wird Ihnen bei späteren Wanderungen manches Aha-Erlebnis bescheren.

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Foto: Marco Klüber