15 – Kennst Du die Rhönforelle nicht?

Der Habelberg bei Tann

Die Herrschaft Tann saß seit der Reformation als protestantischer Stachel im fuldischen Gebiet. Eine handvoll Dörfer scharte sich nebst befestigter „Hauptstadt“ um den Habelberg, den Nabel dieser kleinen reichsunmittelbaren Welt.

1 Einkehrmöglichkeit (wochenends) unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch. Hier erfährt man auch, warum der Delfinbrunnen vor dem Tanner Schloß eigentlich Forellenbrunnen heißen müßte…

Foto: Erich Gutberlet (aus dem Buch)

Tann

Ob nun ein auffälliges Nadelwaldgebiet im Innersten Buchoniens »Tann den Namen gab oder irische Mönche die Siedlung in ihrer Sprache bezeichneten (auf die manche Heimatforscher ja auch den Namen „Ulster“ zurückführen), der an der „Pforte“ zwischen oberem und mittleren Ulstertal gelegene Ort ist jedenfalls uralt.

Die Forelle im Wappen der Herren von der Tann weist freilich ins benachbarte Feldatal (Tour 21, Tour 23), von wo – aus Fischbach – ein Zweig des Tanner Herrengeschlechts stammte, das weit verstreuten Besitz bis nach Franken hinein hatte. Wie viele andere Ritter waren die von der Tann Lehensleute der Rhöner „Hegemonialmächte“ (Würzburg; Fulda; Henneberg), bis sie Reichsunmittelbarkeit erlangten und nur noch dem Kaiser untertan waren.

Zwei Freundschaften mit geschichtsmächtigen Personen bestimmten die Geschicke der Reichsfreiherren und ihres Gebietes, mit Luther und mit Bayernkönig Ludwig I.

Der 1495 geborene Eberhard von der Tann war an der Universität Wittenberg Schüler Luthers gewesen, mit dem er auch später freundschaftlich verbunden blieb. 1534 führte er die Reformation in seinem Gebiet durch, auf dem Augsburger Reichstag von 1555 erreichte er als sächsischer Gesandter, daß der Reichsritterschaft die Religionshoheit zuerkannt wurde (Folge: Untertanen mußten Bekenntnis des Herrn annehmen). Da der Fuldaer Abt daraufhin eine drohende Haltung einnahm, umgürtete Eberhard sein Städtchen flugs mit einer Mauer, von der noch das trutzige Südtor erhalten ist, das heutige Wahrzeichen Tanns.

Fast 300 Jahre lang währte die Freiherrschaft im Ulstertal, bis Napoleon der Ritterherrlichkeit ein Ende machte und das Tanner Ländchen 1806 an das Großherzogtum Würzburg fiel, 1814 an Bayern. Das traf sich in diesem Fall freilich gut, denn Heinrich von der Tann war seit gemeinsamen Studententagen in Göttingen der engste Freund des Kronprinzen und späteren bayerischen Königs Ludwig I.

Sein Sohn Ludwig von der Tann-Rathsamhausen (der zweite Namensteil stammt von der elsässischen Mutter) führte das „Freicorps Tann“ im deutsch-dänischen Krieg 1848/49, wird später bayerischer Generalstabschef und muß als solcher unter „Märchenkönig“ Ludwig II. den von ihm nicht gewollten Krieg gegen Preußen führen. Rache Bismarcks: Er besteht auf Abtretung des Tanner Gebiets an Preußen. Ironie der Geschichte: Im Krieg 1870/71 kämpft von der Tann als General des 1. Bayerischen Armeecorps an der Seite preußischer Truppen in Frankreich. Als im Jahre 1900 sein aus dem Stahl französischer Beutekanonen gegossenes Denkmal in der Münchner Feldherrenhalle aufgestellt werden soll, regte sich Widerstand. Die Niederlage von 1866 mochten ihm viele Bayern denn doch nicht verzeihen. Da griffen die Tanner kurz entschlossen zu und stellten das Standbild des alten Haudegen auf ihrem kleinen Marktplatz auf.

Advertisements