24 – Die Waldkulisse der Theaterstadt

Die Werra-Rhön bei Meiningen

Aussichtsfelsen, Schlucht, Burgruine, alles in ein grünes Waldpolster gepackt: Die Meininger Rhön beginnt fast schon wildromantisch, so als sei sie sich der „theatralischen Sendung“ des Werrastädtchens bewußt.

Einkehrmöglichkeit: unterwegs keine, wohl aber am Ziel in Meiningen. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto (Blick von den Melkerser Felsen ins Werratal): Panoramio/e.dreßel

Herzog Georg II. und die theatralische Sendung der Meininger

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22 – Die Wiege der Forstwissenschaft

IMG_7181Von Zillbach durchs Waldland an der Werra

Wo die Ostrhön sich zur Werra neigt, wurde Ende des 18. Jahrhunderts mit der planvollen Wiederaufforstung dieses Gebirgsteils begonnen. Dabei wurden Grundlagen der Forstwissenschaft erarbeitet, die sich nachhaltig im Bild des deutschen Waldes niederschlugen. Das lag am Wirken des Rhöner Forstmannes Heinrich Cotta (1763-1844), auf dessen Spuren wir auf dieser Wanderung wandeln.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

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Geocache: Unweit des Cotta-Denkmals liegt der Heinrich Cotta Gedenk-Cache.

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GPS-Daten: Im  Buch wird hinter dem Cotta-Denkmal eine etwas abenteuerliche Abkürzung vorgeschlagen. Für GPS-Nutzer hier die Koordinaten der beiden Schlüsselstellen:

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Waldhöhe

N 50° 39.223′ E 10° 19.126′
Eiche am „Kaiserweg“ N 50° 39.128′ E 10° 19.228′

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„In der Zillbach“ – ein Bericht des „Thüringer Wandersmanns“ August Trinius aus der Zeit um 1900:

„Was für die Hohenzollern die Schorfheide bedeutet, das ist für die weidlustigen Fürsten von Sachsen-Weimar-Eisenach stets die Zillbach zwischen Werra und Vorderrhön gewesen. Hier hielten sie ihre Galajagden ab und führten ihre hohen Gäste herüber. Hier auch streift mit Vorliebe Kaiser Wilhelm II. durch den morgendlichen Wald zur nervenanspannenden Springjagd auf den balzenden Auerhahn.“ usw.

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»Der „Fürst der Wälder“

Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Gespenst der Holznot in Deutschland umging, studierte mit dem gerade zum Jägerburschen ausgebildeten Heinrich Cotta aus der thüringischen Rhön erstmals ein Forstmann Mathematik und Ökonomie an einer Universität. Zurück im heimischen Revier, entwickelte er eine Methode zur Berechnung des Waldwertes nebst einem Bewirtschaftungsplan zur Steigerung desselben und schuf so die Grundlagen der heutigen Forstwissenschaft.

Cottas wegweisendes Konzept zur Steigerung der Holzmenge war der Aufbau von Hochwald: Die damaligen Wälder – so noch vorhanden – wurden überwiegend in planlosem Nieder- und Mittelwaldbetrieb bewirtschaftet mit entsprechend geringer Produktivität. Cotta erkannte, daß durch Überführung in Hochwald der Ertrag nachhaltig gesteigert werden könnte. Für Neuforsten schlug er den verstärkten Anbau von Nadelhölzern vor, insbesondere der anspruchslosen Fichte, die standortvariabel und raschwüchsig ist, also schnell und problemlos „Masse bringt“. Daß später aus kurzsichtigem Gewinnstreben vielerorts großflächige Fichtenmonokulturen angelegt wurden, ist nicht dem Pionier anzulasten, sondern der Einseitigkeit seiner Nachfolger. Cotta hatte vielmehr stets den „Mischwaldgedanken“ betont, wobei er Kiefer und Lärche viel stärker in den heimischen Buchenwald einbaute, als dies später der Fall war.

Als Zeitgenosse der „Weimarer Klassik“ und Angestellter jenes Weimarer Herzogs, der Goethe zu seinem obersten Minister gemacht hatte, bezog Cotta selbstverständlich auch ästhetische Gesichtspunkte in seine Waldwirtschaftslehre ein. So finden sich noch heute – wie wir auf Wanderung 22 sehen – im Zillbacher Forst an Wegekreuzungen oder auf kleinen Talwiesen malerische Gruppen starker Buchen, Eichen und anderer Bäume, die auf Cottas Tätigkeit vor rund 200 Jahren zurück gehen. Das Umrändeln von Fichtenforsten durch Lärchen ist z.B. eine bis heute praktizierte Maßnahme Cottas, die das Waldbild auflockert – und zugleich eine wirtschaftlichen Sinn hat : die sturmfeste Lärche schützt nämlich die windbruchgefährdeten Fichten vor den Stürmen der Rhön.

Ein weiteres Verdienst Cottas – der auch bahnbrechende Arbeiten zur Baumphysiologie veröffentlicht hatte – lag in der Verbreitung seiner Ideen durch die Bildung einer Schule. Dadurch gingen hunderte junger Forstleute aus der Ostrhön in die deutschen Lande hinaus, um die neuen, wissenschaftlich fundierten Bewirtschaftungsmethoden anzuwenden, was letztlich bis heute im Bild der deutschen Wälder nachwirkt. Cottas 1788 aus privater Initiative entstandene Unterrichtsanstalt in Zillbach wurde 1795 von der sachsen-weimarischen Regierung staatlich anerkannt und war 1801 so angewachsen, daß ihr von Herzog Karl August das Zillbacher Jagdschlößchen als Schulgebäude zur Verfügung gestellt wurde.

Die Fortschrittlichkeit von Cottas Lehrmethode zeigte sich z.B. darin, daß er erstmals Lehrreviere einrichtete, wo seine Schüler eigenverantwortlich das theoretisch Erworbene in die Praxis umsetzen konnten. In diesem Zusammenhang entstand auch die „Cotta-Plantage“, wo die angehenden Forstleute über vierhundert exotische Gehölze beobachten konnten. Das Waldfleckchen kurz hinter dem nordwestlichen Ortsausgang ( in der Linkskurve der Landstraße geradeaus und nach 100 m links) ist Überbleibsel der einst 1,5 ha großen Anlage, deren größter Teil den Stürmen der Zeit zum Opfer fiel.

Weiterführend: Höchst informative Cotta-Seite von Schwallungen.de

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